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Dual CS 731 Q

 

Problem Völlig unerwartet landete im Oktober 2025 der Direktdreher CS 731Q von Dual auf meinem Tisch. Ein Nachbar hatte dort die Audio-Stecker abgeschnitten, weil diese oxodiert waren und ersetzt werden sollten. Ich bot ihm an, neue RCA-Stecker für ihn anzulöten. Als er den Plattenspieler herüber brachte stellte sich schnell heraus, dass an dem 731Q doch noch einiges mehr zu erledigen war:

Nicht nur die RCA-Stecker waren zu ersetzen, sondern der Dreher kam mit einem unzulässig verlängerten Netztkabel daher (dort war schlicht ein Lautsprecherkabel „drangetüddelt“!) Der Besitzer gab darüber hinaus an, dass die Abspielautomatik nicht mehr funktioniere und die Nadel manuell aufgesetzt und auch wieder zurück auf die Tonarmauflage gesetzt werden müsse. Auch war die Staubschutzhaube nur lose aufgelegt und nicht in die Scharniere eingehakt (wie sich später herausstelle, waren die Scharniere auch nicht korrekt eingestellt, so dass die Haube sowieso nicht offen blieb).


Sowas kann ich ja mit meinem „audiophilen“ Gewissen gar nicht vereinbaren, so dass ich ihm anbot, dass Gerät einmal komplett zu zerlegen und dem guten alten Dual einen umfangreichen Service angedeihen zu lassen

 

Reparatur An der rechten Seite der Zarge pappte eine bauschaumähnliche Masse:

Insgesamt machte der Plattenspieler nach langer Standzeit auf einem Dachboden oder einem Keller einen reichlich an-/verstaubten Eindruck (hier das Bedienfeld für die Pitch-Control im Frontpanel):


In der Mitte des Frontpanel findet sich die LED-Anzeige für die Pitch-Control (die Tonhöhenverstellung - die eigentlich nur eine Änderung der Tellerdrehzahl ist - variiert zwischen - 5,5 bis + 5,5 %):

Auf der rechten Seite des Frontpanel finden sich die Bedienknöpfe für die Vollautomatik bzw. für die Bedienung bei geschlossener Haube:

Mit „Start“, „Stop“ und „Lift“ kann man bei aufgelegter Schallplatte diese also auch bei geschlossener Haube abspielen, pausieren oder die Wiedergabe der Platte stoppen. Für Menschen, die ihren Plattenspieler Anfang der 80er-Jahre in einer Schrankwand mit wenig lichter Höhe im Regalfach unterbringen mussten sicher eine schöne Sache! Technisch von Dual für einen solchen Anwendungsfall jedenfalls aufwenig umgesetzt (mechanisch passiert da richtig 'was „unter der Haube“ bzw. unterhalb des Laufwerks).

Bevor ich aber eine technischen Überprüfung des 731Q vorgenommen habe, habe ich als „allererstes“ das Netzkabel fach- und sachgerecht mit einem neuen Euro-Stecker ausgestattet:

Eine anschließende Funktionsprüfung ergab, dass die Vollautomatik tatsächlich nicht funktioniert. Grundsätzlich war der Plattenspieler aber bedien- und nutzbar. Das Video macht dies deutlich:

Da dürfte also ein Teil der Mechanik „unter der Haube“ in den letzten Jahrzehnten den Geist aufgegeben haben bzw. die einst elastischen gummierten Bestandteile der Tonarmführung sich in „Wohlgefallen“ aufgelöst haben. Das Laufwerk musste also aus der Zarge entnommen werden; die „leergeräumte“ Zarge stellt sich so dar:

Oben auf dem Foto sieht man links die Kabel zu den Schaltern für START/STOP/LIFT, in der Mitte die Platine für die Ansteuerung der LED-Kette der Pitch-Control und rechts die Kabel für die Pitch-Control; vorne im Bild (im verstaubten Bereich) kann man die versteckten Haubenscharniere erkennen.

Auf den Kopf gestellt (das Laufwerk von unten): Vorne in der Mitte sieht man die Elektronik (bestehend aus insgesamt vier gesteckten Platinen), dahinter den Antriebs-Motor, oben rechts davon den Trafokasten. Auf der linken Seite befindet sich die Tonarmmechanik und links davon der Magnetschalter für den Tonarmlifthebel.


Hier sehen wir das Problem, die Gummitülle auf dem Stift (links hinter der Schlitzschraube) hat sich in „Mikroplastik“ aufgelöst:

Nach dem Öffnen des Trafokastens stellt sich heraus, dass alle Muttern lose sind und sich eine sogar komplett von der Schraube getrennt hat:

Hier sehen wir die Hauptplatine (heute sagen wir wohl: „Mainboard“) der Elektronik (der links erkennbare „goldene“ Kondensator hat ausgedient und wird ersetzt):

Hier sehen wir hinter der Hauptplatine die drei „Nebenplatinen“. Alle Kontakte werden gereinigt.

Auch sämtliche Steckpfosten sind deutlich sulfatiert und müssen gereinigt werden:

Auf dem Detailfoto kann man es noch besser erkennen (für eine größere Ansicht gerne mal auf's Foto klicken):

Nach einer gründlichen Reinigung sieht der Pfosten schon viel besser aus:

Hier blicken wir in den Schacht der Haubenscharniere (das rechte Scharnier ist bereits demontiert); hier muss dringend mal feucht durchgewischt werden:

Damit nichts wegkommt wird alles schön aufbewahrt (vorne die Haubenscharniere, hinten die Platinenhalter und diverse Schrauben):

Um die Zarge und das Frontpanel zu reinigen, muss natürlich auch das Frontpanel ausgebaut werden:

Nach einer gründlichen Reinigung der Zarge sieht auch der Schacht für die Haubenscharniere wieder „ansehnlich“ aus (es fehlen noch die Scharniere):

Nach der Justage der Scharniere bleibt auch die Haube geöffnet und kann wieder „sanft“ geschlossen werden:

Auch die „Beinchen“ der auf der Hauptplatine befindlichen Gleichrichter-Dioden sind sulfatiert und sehen einer Reinigung entgegen:

Voilá! Und schon ist wieder etwas mehr „Glanz in der Hütte“:

Dieser Sieb-Kondensator von Roederstein soll ersetzt werden, weil er schon über 45 Jahre auf dem Buckel hat:

Hier sehen wir den ausgebauten Elko, der zwar aus deutscher Herstellung stammt, aber mit amerikansicher Kapazitätseinheit (MFD) beschriftet ist:

Tatsächlich hatte der Kondensator noch mehr als Nominalkapazität (1.000µF), so dass er deswegen eigentlich nicht hätte ersetzt werden müssen. 45 Jahre alte Kondensatoren dieser Bauart neigen jedoch zu spontanem Kurzschluss, der dann häufig auch weitere Bauteile zerstört. Darum werden derartige Kondensatoren vorsichtshalber ersetzt.

Als Ersatz habe ich einen Marken-Elko von „jb Capacitors“ aus Taiwan verwendet, der mit 50V auch etwas spannungsfester ist:

In diesem kleinen braunen Kästchen (hinter dem Frontpanel) befindet sich der Netz-Schalter für die Startautomatik („Start“-Knopf). Darin befindet sich einer der beiden im 731Q verbauten „Knallfrösche“:

Hier können wir uns das genauer ansehen: Der mit dem Pfeil markierte Endstörkondensator der schwedischen Fa. Rifa neigt nach nur wenigen Jahrzehnten zum aufplatzen (daher der Spitzname „Knallfrosch“). Das knallt dann nicht nur vernehmlich, sondern es qualmt ordentlich (der berühmte „magic smoke“) und stinkt anschließend erbärmlich! Darum: Schnell 'raus damit!

Neben dem roten Netz-Schalter sehen wir hier auch die (ebenfalls schwarz „angelaufenen“) Mikroschalter für „Stop“ (links), „Start“ (Mitte) und „Lift“ (rechts):

„Alt“ (links) für „Neu“ (rechts): Als Ersatz für den ollen Rifa-Knallfrosch kam ein neuer X2-Endstörkondesator von „Würth Elektronik“ zum Einsatz:

Im eingebauten Zustand verschwindet er tief im Gehäuse; die Mikroschalter sind auch wieder „blank“:

Hinter den Schaltern am Frontpanel hat sich in den letzten 45 Jahren natürlich auch ordentlich Staub angesammelt (kein Wunder, da kommt man auch mit dem kleinsten Pinsel nicht heran, sondern erst, wenn die Knöppe 'raus sind):

Auch die Schaltknöpfe selbst haben leicht „Patina“ angesetzt (und warten daher auf ein reinigendes „Vollbad“):

Unten blicken wir auf die LED-Anzeigenkette: oben die Platine, darunter die LEDs und darunter die Fassungseinheit und die Skala (alles noch nicht gereinigt):

Auch das Frontpanel wurde selbstverständlich gereinigt, links wurde noch nicht mit den Q-Tips „durchgewischt“:

Die Druck- und Drehknöpfe werden im Ultraschallbad ordenlich „durchgerüttelt“ (die eigentlich klare, nun aber milchige Flüssigkeit ist schon verdrecktes Reinigungsmittel):

Nach dem Vollbad sehen die Knöppe aus wie neu:

Unter diesem schwarzen Kästchen (hier führt das Netzkabel in den Plattenspieler) versteckt sich ein weiterer „Knallfrosch“:

Da haben wir den „alten Schweden“ aus dem Hause Rifa, der „aus dem Spiel genommen wird“...

...und durch einen neuen X2 ersetzt wird (unter dem Kondensator befindet sich ebenfalls ein Schaltkontakt, der den Spieler einschaltet, wenn der Tonarm manuell zur Platte bewegt wird. Dieser Schaltkontakt wurde natürlich zuvor ebenfalls gereinigt):

Nach der elektrischen Instandsetzung wartete noch die mechanische Reparatur der Automatik. Hier sehen wir den Haupthebel, an dessen Reibfläche krümelige Reste des „Steuerpimpels“ hängen:

Weitere Reste haben sich als „Mikroplastik“ im Gerät verteilt, da wo er sein sollte (Pfeil) sind auch nur noch Krümel davon übrig:

Nach der Reinigung der Reibfläche kann diese in Zukunft wieder richtig zupacken:

So muss ein funktionierender Steuerpimpel aussehen...

...damit der Haupthebel die Magie des sich eigenständig bewegenden Tonarms bewerkstelligen kann:

Dann ist mir doch noch eine elektrische Reinigungsarbeit unter diesem Blechkasten, in dem sich der sog. „Kurzschließer“ befindet, aufgefallen:

Denn auch dort befinden sich noch zu reinigende Schaltkontakte (diese schließen das Audiosignal vom Tonabnehmer im Automatikbetrieb - während der Tonarm bewegt wird - gegen Masse; die Übertragung aller mechanischen und elektrischen Störgeräusche zum Verstärker hin werden durch den Kurzschluss somit ausgeschlossen). Diese „Schutzschaltung“ verhindert auch die Einstreuung durch elektromagnetische Felder die bei offenen Kontakten zu einem Brummen im Verstärker führen würden.

Anschließend fand die erste provisorische Funktionskontrolle noch auf dem „Operationstisch“ statt (vorne das Frontpanel, welches in die Zarge gehört):
Unter dem Foto gibt's das dazugehörige Video!

Unter dem Plattenteller befindet sich der Schalter für die Drehzahlumstellung (33 & 45 U/min), der über ein Gestänge bedient wird. Auch dieser Umschalter wurde mit Kontaktspray bedacht:

Nachdem die Vollautomatik wieder funktionierte habe ich das Tonabnehmersystem demontiert und festgestellt, dass das Original-System (Ortofon ULM 60 E) noch an Bord ist:

Diese Feststellung war natürlich nicht Ziel der Demontage, denn erwartungsgemäß waren auch die Kontaktstreifen im Tonarm sulfatiert:

Eine Säuberung war allerdings gar nicht so einfach, denn die filigranen Kontakstreifen sind mechanisch kaum erreichbar; aber dort wo die Stifte des Systems „andocken“ war es schön blank geworden:

Die abschließenden Lötarbeiten (deswegen war der Dreher ja ursprünglich überhaupt auf meinem Tisch gelandet!) wurden an hochwertigen RCA-Steckern vorgenommen (dreiteilige RCA-Stecker aus amerikanischer Produktion, die ordentlich fest auf die RCA-Buchsen des Verstärkers gesteckt werden können):

Nach der Justage des Tonarms (Auflagekraft: 1g (10 mN) / Anti-Skating: 1 / Tuning-Anti-Resonator: 7,8) ging es an den Verstärker, wo ein ausführlicher Funktions- und Sound-Check vorgenommen wurde:

Ich werde den CS731Q noch ein paar Tage testen und dann geht er an den (hoffentlich hocherfreuten) Besitzer zurück!

Bevor hier aus den „Fachkreisen“ Mecker kommt: Ja, der 731Q wurde nicht generalüberholt; es wurden nur die notwendigen Bauteile ausgetauscht! Das Gerät soll dem Besitzer Freude bereiten und nicht in den Weiterverkauf mit Garantieanspruch gelangen. Hier gilt der alte Grundsatz: Repariere nichts, was nicht auch kaputt ist! Okay, ich habe den (noch funktionierenden) Roederstein und die (ebenfalls noch funktionierenden) Rifas ausgetauscht, aber die wären sicher bald als erstes kaputt gegangen... You know? - Yes, you know! ;-)

In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass man sich auf die Bestückungsliste im Service Manual von Dual nicht verlassen kann!
Dort soll der Roederstein-Elko (Platinenposition C9004) angeblich nur 470µF/40V (statt tatsächlich 1.000µF/40V) und die Rifa-Endstörkondensatoren sollen angeblich 10µF (statt tasächlich 0,01µF) haben. Bei den Endstörkondesatoren könnte man ja noch einen schlichten Druckfehler vermuten (µF statt nF - also mikroFarad statt nanoFarad), denn 10nF (= 0,01µF) wären dann richtig. Aber bei dem Siebelko? - Sehr merkwürdig!

 

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